Kreislaufwirtschaft in der Jeansbranche: Fünf Empfehlungen

9. Januar 2018
Wie kann es einer globalen Industrie gelingen, ein System der Kreislaufwirtschaft zu etablieren? Ein Projektteam der International Solid Waste Association (ISWA) und Ramboll hat am Beispiel der Jeansbranche die erforderlichen Voraussetzungen ermittelt.
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Björn Appelqvist

Head of Department, Waste Management and Site Solutions
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Was ist nötig, um Produktion und Konsumverhalten nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft zu organisieren? Mit Fallstudien für zwei sehr unterschiedliche Industrien – Designer-Jeans und Kunststoffverpackungen – erarbeitete die ISWA Antworten auf diese Frage. Ramboll unterstützte bei der Erstellung der Studien.

„Ziel war es, mit zwei realen Fallstudien tiefer in das Thema einzusteigen. In enger Kooperation entlang der Wertschöpfungskette konnten wir so den Industrieakteuren konkrete Empfehlungen für eine intensivere Beteiligung an der Kreislaufwirtschaft geben“, so Björn Appleqvist, Projektleiter bei Ramboll.

Das Projektteam der Fallstudie Jeans bestand unter anderem aus Vertretern der Verpackungsfirma Tommen Gram, der Jeans-Marke G-Star, der Designhochschule Kolding, der Stadt Oslo sowie von ISWA und Ramboll.

Akteure der Wertschöpfungskette entwickeln Empfehlungen mit

Der Wechsel von der linearen Produktion zur Kreislaufwirtschaft erfordert die Mitwirkung aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette. Daher hat die ISWA-Projektgruppe sowohl Hersteller und Designer als auch Abfallverantwortliche für die Jeans-Studie an einem Tisch versammelt. Das Ergebnis dieser Zusammenkünfte ist eine Publikation mit fünf allgemeinen Empfehlungen für Akteure der Jeansbranche, die zur Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft beitragen. Auch die Abfallwirtschaft hat sich mit fünf Zusagen zur Unterstützung der Umstellung bekannt.

Fünf Empfehlungen, um die Kreislaufwirtschaft in der Jeansbranche zu fördern

1. Designs entwickeln, die für Wiederverwertung und Recycling geeignet sind
Nach Möglichkeit sollten Hersteller Monomaterialien in Kleidungsstücken verwenden, da dies die Produktion hochwertiger Recyclingstoffe vereinfacht. Textilien aus gemischten Materialien sind schwierig zu recyceln und können häufig nur noch zu minderwertigen Stoffen verarbeitet werden.
Designer sollten keine Kleidungsstücke geringer Qualität herstellen. Sie verleiten die Kunden dazu, sie wegzuwerfen und durch neue zu ersetzen, statt sie reparieren zu lassen. So können Designer einen Beitrag für mehr nachhaltige und recyclebare Textilien leisten.

2. Ressourcen überdenken und gebrauchte Materialien verwenden
Branchenweite Kooperation ist wichtig. Durch die Zusammenarbeit erhalten Marken Zugang zu mehr gebrauchten Textilien, gemeinsam können sie Kosten einsparen und mehr Transparenz schaffen. Die Qualität der recycelten Stoffe sollte im Design zur Geltung kommen und die Materialien als Bestandteil der Geschichte des Designs betrachtet werden.

3. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette kooperieren
Die Akteure der Branche sollten mit ihren direkten Lieferanten reden – und auch mit deren Lieferanten. Dabei sollten sie keine Angst haben, Forderungen zu stellen.
Das Gespräch mit Kunden und Einkäufern kann dazu beitragen, die Nachfrage anzukurbeln: zum einen durch Aufklärung, zum anderen dadurch, dass das entsprechende Angebot an recycelten Produkten bereits besteht.
Die Wertschöpfungskette im Bereich Textilien ist lang. In vielen der traditionellen Abschnitte gilt es Widerstände zu überwinden, um sie zu verändern. Da die Kommunikation hauptsächlich zwischen direkten Partnern erfolgt, sind die Möglichkeiten für Verbesserungen, Innovationen und Kooperation eingeschränkt. Allerdings erfordert eine größere Nachfrage nach recycelten Textilien Kommunikation und Kooperation mit Einkäufern und Verbrauchern.

4. Nachhaltigkeit erfordert Innovationen
Um die Verwertung von Stoffen zu verbessern, sollte die Branche aktiv nach technologischen und logistischen Lösungen suchen und für alternative Geschäftsmodelle offen sein. Denn neue Technologien liefern Garne besserer Qualität sowie hochwertigere Textilien und neue Geschäftsmodellen stellen herkömmliche Vorstellungen von Eigentum und Kosten auf den Prüfstand. Nachhaltigkeit erfordert es häufig auch neue, unkonventionelle Wege zu gehen.

5. Partnerschaften mit der Abfallwirtschaft eingehen
Die Akteure der Branche sollten die Abfallwirtschaft möglichst darin unterstützen, Textilien aus dem Haushaltsmüll zu retten. Zu viele nützliche Altkleider werden weggeworfen und gelangen so nicht ins Recyclingsystem.
Hersteller sollten über die geeignete Entsorgung ihrer Produkte informieren und die Abfallwirtschaft in die Entwicklung der eigenen Produkte einbinden. Denn deren Vertreter wissen, was am anderen Ende der Wertschöpfungskette geschieht.

Lesen Sie die vollständige Publikation über das Fallbeispiel der Jeansbranche oder das Fallbeispiel Kunststoffverpackung.

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